Von Finsterau über Bučina nach Fürstenhut führt eine Wanderung durch Wald, Grenze und Geschichte – zu einem Friedhof, der mehr erzählt als viele Orte mit Worten sagen könnten:
Von Finsterau führt der Weg zunächst durch die typische Hochlagenlandschaft des Bayerischen Waldes mit Fichtenwäldern, jungen Wildnisflächen und immer wieder beeindruckenden Ausblicken Richtung Grenzkamm. Schnell wird deutlich, dass man sich in einer besonderen Region bewegt: einst Grenzraum und Sperrgebiet, heute ein stilles Wandergebiet zwischen zwei Nationalparken.
Ein wichtiger Punkt der Tour ist Bučina, das frühere Buchwald auf tschechischer Seite nahe dem Grenzübergang Finsterau/Buchwald. Der Übergang ist für Autos gesperrt, zu Fuß oder mit dem Rad jedoch passierbar. Von dort führt der Weg über offene Hochflächen weiter nach Knížecí Pláně, dem ehemaligen Fürstenhut. Die Landschaft wirkt weit und ruhig, ältere Beschreibungen sprechen sogar von einem Weg „gesäumt von Alleebäumen“.
Der eindrucksvollste Ort der Wanderung ist der Friedhof von Fürstenhut. Wo einst ein lebendiges Dorf stand, erinnern heute der restaurierte Friedhof, einzelne Gedenkzeichen und die markierte Stelle der früheren Kirche an die Vergangenheit. Die Kirche wurde 1912 erbaut, nach der Vertreibung der deutschen Bevölkerung 1946 wurden Kirche und Dorf 1956 zerstört.
Gerade hier lohnt es sich, innezuhalten: Namen lesen, die Stille aufnehmen und die besondere Atmosphäre wirken lassen. Die offenen Wiesen und die wenigen verbliebenen Spuren machen Fürstenhut zu einem bewegenden Erinnerungsort im Böhmerwald.
Für den Rückweg bieten sich verschiedene Möglichkeiten an. Die kürzere Rundtour „Trauermantel“ umfasst rund zehn Kilometer und etwa drei Stunden Gehzeit. Wer mehr Kondition mitbringt, kann die Wanderung über Wald- und Moorgebiete Richtung Reschbachklause oder Siebensteinkopf erweitern. Die Tour verbindet Naturerlebnis und Grenzgeschichte auf eindrucksvolle Weise.
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