• Freitag, 11. September 2026

Caritas macht zum Tag der Wohnungslosen auf die Situation von Menschen ohne Zuhause aufmerksam

Passau. Miet- und Energieschulden, Konflikte im Wohnumfeld, Trennung oder Scheidung sowie Krankheit können Menschen in die Wohnungslosigkeit treiben – mit all ihren Härten. Immer mehr Betroffene stehen ohne eigenes Dach über dem Kopf da, häufig ohne Privatsphäre, Sicherheit und Perspektive. Am 11. September haben zum Tag der Wohnungslosen Angie Leitl-Weber von der Bahnhofsmission, Sabine Weiss, Referentin für Soziales und Armut, sowie Tanja Ohrhallinger vom Kreis-Caritasverband, Herberge und Wohnungslosenhilfe, auf diese schwierige Lebenssituation aufmerksam gemacht.

Wohnungslosigkeit nimmt zu

Wie groß das Problem ist, zeigen aktuelle Zahlen. In der Stadt Passau waren zum Stichtag Ende Januar 2026 85 Menschen, im Landkreis Passau 150 Menschen wegen Wohnungslosigkeit untergebracht. Für ganz Niederbayern weist die Statistik 1.970 Menschen aus, bayernweit waren es 39.665. Die BAG Wohnungslosenhilfe zählt laut Statistik rund 450.000 wohnungslose Menschen in Deutschland, wobei von einer Dunkelziffer von rund einer Million auszugehen ist.

Auch die Zahlen der Hilfsangebote vor Ort machen deutlich, wie groß der Unterstützungsbedarf ist. Allein die Bahnhofsmission Passau verzeichnete im Jahr 2025 insgesamt 26.399 Hilfeleistungen, darunter Gespräche, Auskünfte und kleinere Hilfen. 6.247 Mal erfolgte eine Weitervermittlung an den Sozialen Dienst. Zudem wurden 214 Tagessätze ausbezahlt. In der Herberge des Kreis-Caritasverbandes wurden im vergangenen Jahr 194 Übernachtungen gezählt.

Eine Trendumkehr ist nicht in Sicht. Etwa 10 Prozent leben dauerhaft auf der Straße. Doch wohnungslos ist nicht gleich obdachlos. Viele Betroffene finden vorübergehend Unterschlupf bei Bekannten, Verwandten oder in Notunterkünften. Rund 13 Prozent der Betroffenen haben eine geregelte Arbeit – nur eben kein Dach über dem Kopf. Besonders alarmierend: Inzwischen sind auch Familien betroffen, ihr Anteil liegt bei rund 11 Prozent.

Anlaufstellen geben Halt und Perspektive

Hier wieder herauszukommen, ist sehr schwer. Wer keine Wohnung hat, lebt ohne Privatsphäre, ohne Sicherheit und ohne Perspektive. Man verliert nicht nur den eigenen Wohnraum, sondern auch das Gefühl von Stabilität und Selbstbestimmung.

Angie Leitl-Weber von der Bahnhofsmission, Sabine Weiss, Referentin für Soziales und Armut, sowie Tanja Ohrhallinger vom Kreis-Caritasverband mit Herberge und Wohnungslosenhilfe erleben diese Situation unmittelbar. Ihre Einrichtungen sind für viele Betroffene wichtige, mitunter die einzigen Anlaufstellen. Hier finden sie Zuflucht, Akzeptanz und Wertschätzung, erfahren soziale Teilhabe und menschliche Begegnung und erhalten begleitende Hilfen.

Bild: Ansprechpartnerinnen Passau für Menschen ohne Wohnung: Angelika Leitl-Weber, Sabine Weiss und Tanja Ohrhallinger. Foto: MuW/m.seewald