• Mittwoch, 14. Oktober 2026

Pilzkartierungswoche bringt bemerkenswerte Funde ans Licht

Sankt Oswald. Ende September wurde das Waldgeschichtliche Museum in Sankt Oswald erneut zum Treffpunkt für Pilzexpertinnen und Pilzexperten. Rund 20 Pilzkundige waren eine Woche lang im Nationalpark Bayerischer Wald und der umliegenden Region unterwegs, um die Vielfalt der heimischen Pilzwelt zu erforschen. Unterstützung erhielten sie in diesem Jahr von fünf ausgebildeten Trüffelhunden, die auch unter der Erde verborgene Arten aufspüren sollten.

„Die Funde dieser Woche haben einmal mehr gezeigt, welches Potenzial in den alten Wäldern des Nationalparks steckt“, sagt Peter Karasch, der die Kartierungswoche für den Nationalpark organisierte. Mit Erfolg: Neben mehreren Erstnachweisen gelang den Forschenden auch die Wiederentdeckung einer besonders seltenen Pilzart.

Eine der Exkursionen führte die Gruppe in die alten Bergwälder am Lackenberg. Dort hatte Peter Karasch auf einen ganz bestimmten Fund gehofft, die seltene Blaunuss (Chamonixia caespitosa). Tatsächlich konnten die Forschenden mithilfe der Trüffelhunde gleich an drei Stellen Exemplare des etwa haselnussgroßen Pilzes entdecken. „Die Blaunuss wiederzufinden, war für uns ein ganz besonderer Moment. Sie wurde zuletzt 2015 im Nationalpark nachgewiesen, umso größer war die Freude, als die Hunde gleich an mehreren Stellen anschlugen“, berichtet Karasch. Die Blaunuss lebt in einer engen Lebensgemeinschaft mit Fichten. In ganz Bayern wurde der kleine Verwandte der Röhrlinge seit 1920 erst 15-mal kartiert. Die wenigen bekannten aktuellen Fundorte liegen allesamt in alten, naturnahen und feuchten Bergwäldern. Auch im Pflanzen-Freigelände am Hans-Eisenmann-Haus wurden die Spürnasen fündig. Unter den vor rund 50 Jahren gepflanzten Linden und Eichen entdeckten die Fachleute insgesamt acht kleine Trüffelarten. Vier davon konnten erstmals für den Nationalpark dokumentiert werden.

Doch nicht nur unter der Erde gab es Überraschungen. Lara Erhardt, die derzeit ein mykologisches Praktikum im Nationalpark absolviert, gelang im jüngsten Erweiterungsgebiet bei Finsterau ein außergewöhnlicher Fund. Sie entdeckte den Hallimasch-Raukopf (Cortinarius phrygianus), einen auffälligen Schleierling, der deutschlandweit bislang weniger als zehnmal nachgewiesen wurde. In Bayern war die Art zuletzt 2002 bei Burglengenfeld dokumentiert worden. Für die gesamte Region Bayerischer Wald ist es der erste bekannte Nachweis. „Solche Funde sind wissenschaftlich äußerst wertvoll. Sie zeigen, dass die Pilzvielfalt im Bayerischen Wald längst nicht vollständig erfasst ist und dass selbst in gut untersuchten Gebieten noch Überraschungen möglich sind“, betont Peter Karasch.

Die Ergebnisse der Kartierungswoche zeigen, wie viele seltene Arten in den Wäldern des Nationalparks noch verborgen liegen. Gerade alte, naturnahe Waldbestände bieten Lebensräume für Pilze, die andernorts kaum noch zu finden sind. Zugleich machen die Neufunde deutlich, dass die Pilzvielfalt der Region längst nicht vollständig erfasst ist.

Bild: Deutschlandweit weniger als zehnmal nachgewiesen: Der Hallimasch-Raukopf (Cortinarius phrygianus) (Fotos: Peter Karasch)