Musik für die Seele zwischen den Welten mit dem Sextett Sjaella beim Passauer Konzertwinter
Passau. Die Gesellschaft der Musikfreunde Passau e.V. lädt im Rahmen des diesjährigen Konzertwinters VocVocal zu einem Konzert mit dem Frauensextett Sjaella. Der Name ist ein vom schwedischen Wort „själ“ für Seele abgeleitetes Kunstwort. Womit wir auch schon beim Thema des Passauer Gastspiels wären, denn das steht unter dem Titel „Corpus & Lumen“, also Lateinisch für „Körper und Licht“. Viola Blache, Marie Fenske (Sopran), Marie Charlotte Seidel (Mezzosopran), Luise Klose und Helene Erben (Alt) bringen darin Vokalmusik zu Gehör, die vom Aufeinandertreffen von Leiblichkeit und Göttlichkeit kündet. Und das ist gewiss eine Domäne der dem Menschen innewohnenden, zum Lichtquell von Ursprung und Ewigkeit, drängenden Seele.
Von der Renaissance bis in die Gegenwart
Musik berichtet von alters her und bis heute davon; Sjaella nimmt die Zuhörer mit in diese Gefilde. Die Sinnlichkeit der Liebe führt uns Menschen an so einen, über uns selbst hinausweisenden Ort. Die Bibel weiß davon zum Beispiel im Hohelied zu berichten, Anfang des 16. Jahrhunderts in wunderschöne polyphone Motetten verwandelt von Eleonora d’Este und Nicolas Gombert. Von deren Zeitgenosse Cristóbal de Morales wird das „Parce mihi, Domine“ erklingen, die Klage des Hiob über das menschliche Leiden und seine verwunderte Gewissheit darüber, dass Gott sich des Menschen annimmt. Soviel zur Renaissance, der Messlatte einer jeden A cappella Formation.
Zeitgenössische Klänge treffen auf alte Meister
Bekanntgeworden ist das Sextett Sjaella jedoch mit Crossover-Programmen, angefangen als Teenager 2014 gemeinsam mit Bobby McFerrin im Gewandhaus ihrer Heimatstadt Leipzig. Seither wurden ganz besonders die zeitgenössischen Programmanteile immer ambitionierter. Deshalb wird auch in „Corpus & Lumen“ die menschliche Seele mit Klängen unserer Tage dargestellt. Hildur Guðnadóttirs „From the Other Place“ etwa basiert auf einer grafischen (und nicht zwingend für Vokalensemble verfassten) Partitur, und entsteht so bei jeder Aufführung und in jedem Konzertraum anders neu.
Eine musikalische Reise zwischen den Welten
Während Knut Nystedts „Sternseherin“ im Anblick des nächtlichen Firmaments etwas Höheres in ihrem Leben ersehnt, rückt Paola Prestini in „Fratres“ eine oft übersehene Frauenfigur ins Licht: Maria Magdalena, Jesu Jüngerin und erste Zeugin seiner Auferstehung. Musikalische Inspiration bot Prestini die gleichnamige Motette von Giovanni Pierluigi da Palestrina. Auf dessen Werk fußt auch „Stetit Angelus“, von der australischen Komponistin Brooke Shelley in dem ein Engel besungen wird – jenes geistige Wesen, das als Mittler zwischen göttlicher und menschlicher Sphäre in Erscheinung tritt. Eine wahrlich spannende Seelenreise die 450 Jahre vor- und zurückschaut.
Konzerttermin und Kartenverkauf
Das Konzert mit Sjaella findet am Freitag, 13. November in der Passauer Heilig-Geist-Kirche statt; Veranstaltungsbeginn ist um 19.30 Uhr. Karten sind ausschließlich unter www.okticket.de sowie an der Abendkasse erhältlich und kosten 30,- Euro, ermäßigt 25,- Euro sowie für Schüler, Studierende und Azubis 15,- Euro. Der Eintritt ist für Kinder unter 12 Jahren frei. Mehr zu diesen und allen weiteren Veranstaltungen des Passauer Konzertwinters 2026/27 ist auch auf der Website www.passauer-konzertwinter.de zu finden.
Tipp: Sjaella auch auf anderen Bühnen erleben
Tipp: Und wer sich näher für Sjaella interessiert: In der aktuellen Kinoverfilmung des Jane Austen-Romans „Sinn und Sinnlichkeit“ erklingt Musik des Sextetts. Und wenn die Gruppe nicht gerade mit einer Opernproduktion an der New Yorker MET, einem Gastspiel im Opernhaus in Sidney oder Ballett in Leipzig zu tun hat… …kann man sie zum Beispiel am 8. Dezember in den Münchner Kammerspielen gemeinsam mit dem Duo Fallwander beim Sprengen musikalischer Genregrenzen erleben. st
Foto: Lara Müller

