• Samstag, 3. Oktober 2026

Steakhaus Fernblick in Kirchberg: Ende einer gastronomischen Institution

Steakhaus Fernblick in Kirchberg: Ende einer gastronomischen Institution

Markt Schönberg. Wolfgang und Dietmar haben 23 Jahre in Kirchberg bei Schönberg eine weithin einmalige Küche geboten. Jetzt gehen sie in den Ruhestand und hinterlassen eine riesige Lücke. Bürgermeister Martin Pichler schaute noch mit Dankurkunde zu einem Besuch vorbei, bevor der Grill sein letztes Steak brutzelte.
Das Steakhaus Fernblick war ein echter Qualitätsbegriff. Wolfgang Hobelsberger war als Koch und Inhaber der unermüdliche Taktgeber in der Küche, der von Geflügel bis Rind bestes Fleisch in unterschiedlichen Garstufen auf den Punkt zu den Beilagen legte. Und Dietmar Landau ergänzte als Herz im Service samt Team diese Vorlage mit großer Herzlichkeit direkt am Gast. Er sagt: „Zufriedenheit gibt so viel zurück!“ So wurde das Steakhaus so etwas wie ein verlängertes Ess- und Wohnzimmer, das mit Genuss und Wohlfühlatmosphäre und einem grandiosen Blick über Schönberg hinweg bis zum Lusen hinauf punktete. Ursprünglich war es als traditionelles Gasthaus mit konzipiert, als die beiden 2003 fast spontan beschlossen, die Hektik und den Stress in München trotz gutgehenden Lokals hinter sich lassen zu wollen. Aus dem Bauch heraus hatte das damals schon etwas in die Jahre gekommene Haus ohne viel Nachdenken ihre Begeisterung geweckt. Businesspläne oder Zukunftssorgen waren nie das Ding der beiden. Aber erst die parallel kurz geführte Torschmiede in Grafenau, einem Lokal mit Steaks als Markenkern, brachte diese Leidenschaft als Konzept auch nach Kirchberg. Hier wurde der Biergarten in Angriff genommen. Wildwuchs verschwand und heute schon wieder große Bäume haben Wolfgang und Dietmar damals gepflanzt. Selbst ein Streichelzoo sorgte einige Zeit für Anziehung besonders bei Kindern. Vom Steak-Fan bis zum Vereinsabend kamen die Dörfler ebenso wie die Genuss-Insider auch von weiter her. Das Credo: Kein Kompromiss bei der Qualität; aber immer regional verträgliche Preise. Einige Zeit beherrschte Hollywood mit großen Bildern die Stimmung im Lokal und später viel Holz, ein Anbau für Platz und Gästezimmer auch fürs Bleiben. Liebevoll und Detailreiche war das ganze Haus optisch fein gewürzt mit der weiteren Leidenschaft stimmiger Deko. Selbst Corona konnte sie nicht stoppen. Sie nutzten die Zeit und schliffen eben wochenlang die Gartenmöbel wieder auf Hochglanz. Deutlich mehr Hürden brachte die Zeit danach mit Personalmangel, steigenden Preisen bei Produkten, Strom oder Heizöl. Unterm Strich war es aber dann der wachsende Stress und das nahende Rentenalter, das wieder aus dem Bauch heraus entschied: Es ist genug gerackert. Es muss auch noch etwas eigenes Leben folgen. Es müssen auch eigene Leidenschaften möglich werden.
So trifft es sich gut, dass sich ein Häuschen in einem nahegelegenen Ort fand. Ein Garten dazu, der auf Wolfgang wartete. Dietmar hat sich über die Jahre das Kochen für die beiden privat entwickelt. Und neben spontanen Reisen oder einer Motorradtour soll auch das sehenswerte Trabbi-Cabrio wieder Oldtimertouren drehen dürfen. Zudem haben sie die Hoffnung, dass es wieder Mutige gibt, die aus dem Bauch heraus oder auch mit gutem Plan beschließen: Der Fernblick wird unsere neue Aufgabe.

Bild: Bürgermeister Martin Pichler (v.l.) dankte für über zwei Jahrzehnte Hochgenuss in Kirchberg und nutzte die Gelegenheit, noch einmal bei Wolfgang und Dietmar ein Steak genau á point zu genießen. Foto: Markt Schönberg