Thyrnau. In einer schnelllebigen Zeit wirkt das Zisterzienserinnenkloster Thyrnau wie ein Gegenentwurf zum Alltag. Während draußen Hektik und Termine dominieren, beginnt der Tag hier um 5.45 Uhr mit Stille und Gebet. Die Schwestern haben sich bewusst für ein Leben in Gemeinschaft, mit festen Strukturen und dem Glauben im Mittelpunkt entschieden.
Priorin Schwester Lucia Kienzler leitet das Kloster und spricht offen über ihren Weg. 1989 trat sie ein, nachdem sie zuvor Theologie und Latein studiert hatte. Der Wunsch nach einem klösterlichen Leben wuchs über Jahre hinweg – geprägt von persönlichen Erfahrungen und Begegnungen. „Das ist ein langsames Ankommen“, beschreibt sie ihre Entscheidung.
Heute ist die Gemeinschaft deutlich kleiner als früher: Statt einst rund 50 leben aktuell sieben Schwestern im Kloster. Umso größer war die Freude über eine junge Novizin, die 2022 eintrat und nun ihre erste Profess ablegt.
Der Alltag folgt einem klaren Rhythmus aus Gebet, Arbeit und Gemeinschaft. Neben Tätigkeiten im Haus und in der Verwaltung spielt die traditionelle Stickerei eine wichtige Rolle. Hier entstehen liturgische Gewänder, Fahnen und kunstvolle Textilien. Nach dem Tod der Äbtissin steht dieser Bereich vor Herausforderungen, soll aber unbedingt erhalten bleiben.
Auch Zweifel gehören zum klösterlichen Leben dazu. Schwester Lucia spricht offen darüber, betont jedoch die Bedeutung von Stabilität, Gemeinschaft und Vertrauen. „Man wird getragen“, sagt sie.
Das Kloster ist zudem offen für Gäste, die Ruhe suchen oder Einblick in das Leben hinter den Mauern gewinnen möchten. Es bietet einfache Zimmer und eine besondere Atmosphäre fern vom Alltag.
Das Kloster Thyrnau steht für ein selten gewordenes Lebensmodell: bewusst, gemeinschaftlich und getragen vom Glauben.
Foto: MuW/K.Krückl
(Den ausführlichen Bericht lesen Sie in der Druckausgabe der MuW Nachrichten KW 19 auf Seite 6

