• Dienstag, 21. Juli 2026

Thomas Deschner sagt im Caritas Förderzentrum St. Severin „Ade“

Thomas Deschner sagt im Caritas Förderzentrum St. Severin „Ade“

Passau. Der Mensch wird nicht erst Mensch; es ist schon einer. Die berühmten Leitgedanken des polnischen Pädagogen Janusz Korczak hängen als Bild an der Wand im Rektoren-Büro von St. Severin. Zentral. Unübersehbar. Für Thomas Deschner das zentrale Motiv seines Wirkens im Caritas Förderzentrum St. Severin in Passau. Es ist ein Ort für ihn, „an dem jeder Mensch mit seiner eigenen Würde und Einzigartigkeit willkommen ist“. Am Donnerstag, 23. Juli, sagt er Ade und verabschiedet sich in den Ruhestand.

Wie das Leben so ist: Er erläutert seine Arbeit ganz praktisch. Als Referendar hatte er einen Buben, schwerstbehindert. Nur wenn er Akkordeon-Musik hörte, begann er zum Essen. Die Eltern hatten immer einen Kassettenrecorder zur Hand; auch wenn sie mal in Gaststätten waren. Alles äußerst belastend. Deschner begann in kleinsten Schritten mit dem Buben zu arbeiten. Er schaffte es tatsächlich. Der Bub lernte Essen ohne Musik. Für die Eltern fast eine Erlösung. Sie konnten als Familie ausgehen, sich unter anderen Gästen bewegen. Diese Geschichte hat den studierten Sonderpädagogen geprägt. „Was man aus Kindern, alles herausholen kann“. Ein neues Wort, ein selbstständiger Schritt, ein mutiger Versuch, ein freundlicher Blick, ein gemeinsames Lachen – all das sind Momente, die zählen.


„Danke, dass ich leben darf“

Auch diese Aussage einer jungen Frau mit Down-Syndrom ist ihm nach vielen Jahren noch präsent. Auf die Frage wofür sie dankbar sei: schreibt sie auf ihrem Talker als Kommunikationsmittel: „Danke, dass ich leben darf“. Wie eingangs geschrieben. Kinder sind eigene Persönlichkeiten mit vollen Rechten und eigener Würde. „Sie müssen nichts leisten“, betont er. Das Team im Caritas-Förderzentrum St. Severin für Kinder und Jugendliche mit Schwerpunkt geistige Entwicklung versteht er als „Begleiter:innen“. Selbst Personen mit schwersten Beeinträchtigungen haben die ihnen eigene Würde. Solche Haltung bestimmt die Arbeit dort. Ganz wichtig ist ihm, jungen Menschen mit Behinderung eine Stimme zu geben. Denn diese, so hat er es vielfach erlebt, „haben gesellschaftlich und politisch keine Lobby“; etwa im Vergleich zu Gymnasiasten. Dieses „Stimme erheben als sozialpolitische Anwältin“ erwartet er auch generell von der Caritas. Thomas Deschner kam 2010 nach St. Severin. Zuvor war er in Eggenfelden, Hauzenberg und Landau/Isar aktiv; zuletzt als Leiter einer sonderpädagogischen Einrichtung. „Hier darf ich der Mensch sein, der ich bin“. Deschner: „Das ist vielleicht das Schönste, was man über eine Schule sagen kann“.

Bild: Thomas Deschner (re.) mit dem designierten Nachfolger in St. Severin Benedikt Wagner. Foto: can/wd