Grafenau. Mit tiefem Respekt nimmt die Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald Abschied von Prof. Dr. Dr. h. c. Wolfgang Haber, der am 13. August im Alter von 100 Jahren verstorben ist. Mit ihm verliert Deutschland einen der prägendsten Wissenschaftler des Naturschutzes und der Landschaftsökologie – und der Nationalpark Bayerischer Wald einen Menschen, dessen Wirken untrennbar mit seiner eigenen Entstehungsgeschichte verbunden ist.
„Wolfgang Haber hat früh erkannt, dass Naturschutz mehr sein muss, als Natur vor dem Menschen zu schützen“, so Nationalparkleiterin Ursula Schuster. „Er hat dafür geworben, natürliche Prozesse zu verstehen, ihnen Raum zu geben und Landschaft nicht allein unter dem Gesichtspunkt ihrer Nutzbarkeit zu betrachten.“
Für den Nationalpark Bayerischer Wald wurde sein Wirken von ganz besonderer Bedeutung. Der Landschaftsökologe, der ab 1966 an der TU München tätig war, sollte damals im Auftrag des Deutschen Rats für Landespflege beurteilen, ob im Bayerischen Wald ein Nationalpark errichtet werden kann. „Sein Gutachten wurde zu einer wesentlichen wissenschaftlichen Grundlage für die spätere Gründung unseres Nationalparks“, so Schuster. Haber sprach sich gegen einen Wildtierpark nach dem Serengeti-Vorbild aus und riet dazu, einen Waldnationalpark zu schaffen. Dieser Empfehlung folgte der Bayerische Landtag und so wurde am 11. Juni 1969 letztendlich die Gründung des Schutzgebietes zwischen Rachel und Lusen beschlossen.
„Besonders dankbar bin ich dafür, dass wir Wolfgang Haber im vergangenen Jahr noch zu seinem 100. Geburtstag gratulieren und sein außergewöhnliches Lebenswerk würdigen konnten“, sagt Schuster. „Mit seinem klaren Blick, seiner wissenschaftlichen Neugier und seiner besonderen Verbindung zum Nationalpark war er bis ins hohe Alter ein aufmerksamer Begleiter unserer Entwicklung. Wir werden ihm als Geburtshelfer unseres Schutzgebietes stets ein ehrendes und dankbares Andenken bewahren.“
Bild: Prof. Wolfgang Haber (Foto: Huang Qi)

