• Mittwoch, 23. September 2026

„Rottaler Mostwochen“: Wenn aus alten Obstwiesen neuer Lifestyle wird

"Rottaler Mostwochen": Wenn aus alten Obstwiesen neuer Lifestyle wird

Streuobst, regionale Produkte und ein neues Bewusstsein für Heimat: Im niederbayerischen Rottal zeigt eine jahrhundertealte Kulturlandschaft, wie überraschend modern Tradition sein kann. Eine 25-Jährige wird jetzt zur Botschafterin dieses neuen Heimatgefühls.

Bad Birnbach (obx) – Äpfel von der Streuobstwiese statt Früchte aus Übersee, kurze Wege statt anonymer Lieferketten und regionale Spezialitäten mit einer Geschichte: Was für frühere Generationen selbstverständlich war, passt heute erstaunlich gut zu einem modernen Lebensgefühl. Im niederbayerischen Rottal zwischen Rott und Inn wird diese Verbindung von Tradition, Genuss und Regionalität seit Jahren besonders gepflegt. Ein sichtbares Symbol dafür sind die Rottaler Mostwochen, die noch bis zum 25. Oktober laufen.
Jetzt hat die Region eine neue Botschafterin: Die 25-jährige Franziska „Franzi“ Stegbauer aus Schönau wurde zum Auftakt der zwölften Rottaler Mostwochen zur sechsten Rottaler Mostkönigin gekrönt. Zwei Jahre lang soll sie für die Kulturlandschaft, die Streuobstwiesen und die regionalen Produkte ihrer Heimat werben. Ihr Ziel formuliert sie selbst bemerkenswert zeitgemäß: Sie wolle „Tradition und Moderne miteinander verbinden“.

Eine Landschaft, die man schmecken kann
Most ist dabei längst mehr als ein Getränk mit rustikalem Image. Hinter ihm stehen alte Obstsorten, Streuobstwiesen und eine Form der Landwirtschaft, die das Landschaftsbild des Rottals prägt. Die Mostwochen machen daraus ein kulinarisches Erlebnis und bringen regionale Erzeugnisse auf die Teller und in die Gläser.

Dass Tradition dabei durchaus zeitgemäß auftreten kann, zeigte bereits die Eröffnung im Huckenhamer Stadl in Bayerbach: Statt ausschließlich beim klassischen Most zu bleiben, begrüßten die Gastgeber ihre Gäste unter anderem mit einem „Most Mule“ – einer regionalen Interpretation des bekannten Cocktails.

Auch die neue Mostkönigin steht für einen unverkrampften Umgang mit Heimat. Stegbauer absolvierte in Bad Birnbach ihre Ausbildung zur Physiotherapeutin. In ihrer zweijährigen Amtszeit möchte sie nicht nur für Streuobstwiesen und regionale Produkte werben, sondern auch die Menschen und Vereine der Region in den Mittelpunkt rücken. „Was wäre die Heimat ohne die Menschen“, sagt sie.

Wie viel Einsatz mit diesem Ehrenamt verbunden ist, zeigt die Bilanz ihrer Vorgängerin Martina Neumaier: In zwei Jahren absolvierte sie 75 Termine und legte dabei rund 5.500 Kilometer zurück.

Die Mostwochen selbst sind inzwischen zu einer festen Größe im Veranstaltungskalender der Region geworden. Und sie erzählen dabei eine Geschichte, die weit über Niederbayern hinausweist: Manchmal braucht es keine neuen Trends. Manchmal genügt es, das neu zu entdecken, was seit Generationen vor der eigenen Haustür wächst.

Foto: obx-news/Kurverwaltung Bad Birnbach