Waldkirchen erlebte einen besonderen musikalischen Moment: Der begnadete Gitarrist Horst Kroll lud zu einem intimen Privatkonzert ein, das ganz im Zeichen seines über fünf Jahrzehnte währenden musikalischen Schaffens stand. Es wurde ein Abend, der nicht nur die Vielfalt seines Könnens zeigte, sondern vor allem die Tiefe seiner künstlerischen Seele offenbarte.
Von den ersten Tönen an war spürbar, dass hier kein gewöhnliches Konzert stattfand. Kroll nahm sein Publikum mit auf eine persönliche Reise durch die Stationen seines Musikerlebens. In verschiedenen Bands hatte er über die Jahre hinweg gespielt, unterschiedlichste Stilrichtungen erkundet und dabei stets seinen eigenen, unverwechselbaren Ausdruck bewahrt.
Besonders bewegend wurde es in jenen Momenten, in denen Horst Kroll seine selbst komponierten Stücke präsentierte. Inspiriert von irischen und keltischen Klängen, entfalteten diese Kompositionen eine melancholische Schönheit, die den Raum erfüllte und die Zuhörer in ihren Bann zog. Sanfte Melodien, fein nuancierte Dynamik und ein tiefes Gefühl für Atmosphäre ließen Bilder von weiten Landschaften, rauer See und stiller Sehnsucht entstehen.
Das Publikum reagierte mit spürbarer Emotion: Es wurde still, fast ehrfürchtig – und am Ende jedes Stückes brach begeisterter Applaus aus. Viele Zuhörer waren sichtlich gerührt, einige hatten Tränen in den Augen. Es war die Authentizität, die berührte – die Ehrlichkeit eines Musikers, der nicht nur spielt, sondern erzählt.
Zwischen den Stücken gewährte Kroll kleine Einblicke in sein Leben als Musiker, sprach über prägende Begegnungen, über Höhen und Tiefen und über die Leidenschaft, die ihn all die Jahre begleitet hat. Diese persönlichen Momente machten den Abend noch greifbarer und ließen die Musik in einem neuen Licht erscheinen.
Das Jubiläumskonzert war mehr als ein Rückblick – es war ein lebendiges Zeugnis eines erfüllten Musikerlebens. Horst Kroll bewies eindrucksvoll, dass wahre Kunst keine Frage des Alters ist, sondern der Hingabe. Und so verließen die Gäste den Abend nicht nur begeistert, sondern auch tief bewegt – mit dem Gefühl, etwas Einzigartiges erlebt zu haben.
Text und Foto: Dr. Bernhard Becker

