Passau (obx) – Die deutsche Wirtschaft wartet auf Entlastung – und verliert zunehmend die Geduld. Hohe Energiekosten, internationale Krisen, wachsende Regulierung und ein immer dichteres Netz an Vorgaben setzen viele Unternehmen unter Druck. Bei einer Vollversammlung der IHK Niederbayern wurde jetzt deutlich: Die Erwartungen an die Bundesregierung sind hoch.
Zu Gast beim „Parlament der Wirtschaft“ war der selbst aus Niederbayern stammende Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer. Er räumte ein, dass viele Probleme der deutschen Wirtschaft hausgemacht seien – allen voran die Bürokratie. „Das Rad wurde überdreht. Wir müssen Vertrauen zurückgeben an diejenigen, die handeln“, sagte Rainer vor den Unternehmern. Gerade aus seiner kommunalpolitischen Erfahrung heraus dränge er in seinem Ministerium auf weniger Regulierung und schnellere Verfahren.
Die Wirtschaft erwarte inzwischen mehr als Ankündigungen, machte Niederbayerns IHK-Präsident Thomas Leebmann deutlich. Verständnis aus der Politik allein reiche nicht mehr aus. Entscheidend seien nun konkrete Reformen und spürbare Verbesserungen für Unternehmen.
Rainer verwies auf zahlreiche Herausforderungen, die Deutschland gleichzeitig bewältigen müsse – von EU-Vorgaben über den internationalen Wettbewerbsdruck bis hin zur Sicherung von Absatzmärkten. Gerade für exportorientierte Unternehmen sei es wichtig, Handelsbeziehungen breiter aufzustellen und neue Märkte zu erschließen. „Made in Germany ist ein Qualitätssiegel“, betonte der Minister.
Wie stark internationale Konflikte inzwischen auf die Wirtschaft durchschlagen, zeigte auch der zweite Vortrag der Vollversammlung. Dr. Martin Henkelmann berichtete über die Auswirkungen des Iran-Kriegs auf Handel und Logistik in der Golfregion. Besonders problematisch sei die Situation rund um die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt.
Die Einschränkungen dort treffen zentrale Lieferketten etwa für Öl, Aluminium oder Düngemittel. Alternative Häfen seien deutlich schlechter ausgebaut, wodurch sich Schiffe stauten und Lieferzeiten massiv verlängerten. Selbst bei einem schnellen Ende des Konflikts würde es laut Henkelmann noch Monate dauern, bis sich die Logistik wieder normalisiere.
Während der Tourismussektor in der Region stark eingebrochen sei, liefen Industrieproduktion und Großprojekte allerdings weiter stabil. Einen Rückzug deutscher Unternehmen aus den Golfstaaten beobachte man bislang nicht. Trotz aller Unsicherheiten bleibe die Region ein wichtiger Wirtschaftsstandort für deutsche Firmen.
Bild: Bundesminister Alois Rainer (l.) und IHK-Präsident Thomas Leebmann (r.) im Gespräch mit den Mitgliedern der IHK-Vollversammlung. Foto: obx-news/IHK Niederbayern

