Freyung-Grafenau. Geschätzt fast jeder weitere Bürgermeister der Runde hätte das Projekt lieber nicht selbst angepackt. Aber Heinz Pollak und die Stadt Waldkirchen weiß auch, wie wichtig es ist, ausgerechnet direkt am Marktplatz das Leben lebendig zu halten. Deshalb wird das Hintermann-Haus vom baulichen Problemfall mit Denkmalschutz zum gemeindlichen Zentrum umgebaut. Die Kollegen staunten nicht schlecht über die Herausforderung.
Das Haus hat ein wenig die Dimension des berühmten „Scheinriesen Turtur“; je näher man ihm kommt, desto größer wird es. Innen ist es in jeder Hinsicht hoch und tief. Vom Kellergewölbe überbetonierte Tiefgarageneinfahrten bis zum mehrstöckigen Dachstuhl samt historischen Lastenaufzug fügt sich da alles zusammen, was ein moderner Bauherr fürchten würde wie der Teufel das Weihwasser. Das ganze gemixt mit Feuchtigkeit und Hausschwamm; aber die Förderung ist gut, die Beratung kompetent, das Bauamt mit den Herren Schwarz und Herrn Weiß auf alle architektonischen Farbnuancen vorbereitet, um der Substanz mit Ecken und Kanten eine moderne Funktionalität abzuringen. Möglichst viel Substanz muss erhalten bleiben und dennoch sollen Etagen angeblichen, Barrierefreiheit hergestellt, Tragfähigkeit, Brand- und Emissionsschutz gewährleistet werden, wenn dann nach etwa 14 Millionen verbauten Euros (bei 11 Millionen Förderung) ein Buchladen, eine Musikschule, Co-Working-Flächen und Ausstellungsräume einziehen. Und das Umfeld Baronhof soll auch noch angepackt werden.
„Hut ab vor so viel Mut und Entschlossenheit,“ bescheinigten die Besichtiger aus den FRG-Kommunen Viele von ihnen haben sich auch mit Gemeindezentren in Altsubstanz beschäftigt oder werden es noch. Aber diese Dimension wird wohl etwas Besonderes sein. Der Rundgang warf viele Fragezeichen auf. Das Ergebnis will jeder sehen.
Bild: Im Keller lagerten mal Fässer und Eis der Brauerei im Baronhaus. Darüber schrieb die Familie Hintermann Foto-Geschichte und dokumentierte Waldkirchen eindrucksvoll. Wenn Bücher, Vereine und Musik einziehen, dann lebt das Haus kulturell weiter. Der Gemeindetag FRG staunte über die Herausforderung. Foto: Gemeindetag FRG

